Neuer Träger für die Liebfrauenschule

„Die Liebfrauenschule wird ihre christliche Orientierung behalten, sie wird am Standort bleiben und sie wird eine Mädchenschule bleiben“, so Peter Soliman, geschäftsführender Gesellschafter der ISR (International School on the Rhine) und neuer Träger der Liebfrauenschule. Im Rahmen eines Pressegesprächs im Forum der Schule informierte er am Freitag zusammen mit Vertretern des Bistums Mainz über den vereinbarten Trägerwechsel, der die Schule im 163. Jahr ihres Bestehens in eine neue Zukunft führen soll.

Bis Mitte 2022 soll der schrittweise Übergang der Schulträgerschaft zur ISR erfolgen, um dann die Verantwortung in privater Trägerschaft zu übernehmen. Weihbischof und Generalvikar Udo Markus Bentz zeigte sich davon überzeugt, dass dies eine gute Nachricht für die Liebfrauenschule ist, die die Schule auch maßgeblich weiterbringen wird. Er verwies ebenso auf den Erhalt des christlichen Profils der Schule, zumal das Bistum auch künftig die Schulseelsorge übernehmen wird.

Bentz erinnerte an die intensiven Gespräche zur Zukunft der Schule, nachdem im vergangenen September bekanntgeworden war, dass sich das Bistum Mainz aus der Trägerschaft der Liebfrauenschule zurückziehen wird. Man habe sich nicht freiwillig davon getrennt, sei aber zu einer Neustrukturierung des Bildungs- und Tagungsbereichs gezwungen gewesen. Hintergrund seien die Pensionslasten, zu deren Deckung zu 100 Prozent man verpflichtet sei.

Um das im Bistumshaushalt abdecken zu können, war es unter anderem erforderlich, für fünf von 19 Schulen im Bistum eine neue Trägerschaft zu suchen. „Damit sind in unserer Trägerschaft immer noch mehr Schulen als beispielsweise im Nachbarbistum“, so Bentz. Als Bistum sei man von vorneherein nicht festgelegt gewesen, in welche Richtung es künftig gehen soll, aber man hatte die Priorität, dass die LFS als Mädchenschule mit christlichem Fundament bestehen bleibt. Zwar werde das Bistum die Trägerschaft abgeben, sich aber nicht pastoral aus der Schule zurückziehen.

Mit Peter Soliman und der ISR ist Bentz überzeugt, den richtigen Partner für dieses Konzept gefunden zu haben. „Das Profil wird sich ändern, aber es wird keinen Bruch geben“, sieht der Generalvikar für die Liebfrauenschule eine gute Zukunft.

Zukunft ist abgesichert

„Die Zukunft der Schule ist abgesichert“, bestätigt ISR-Gesellschafter Soliman. Die mit dem Bistum getroffene Vereinbarung sei unterschrieben, dankte er für das entgegengebrachte Vertrauen und machte auf den für ihn wichtigen moralischen Aspekt aufmerksam. „Eine Schule zu führen ist erfüllend und nachhaltig, denn sie beeinflusst die Zukunft“, sind für Soliman neben den akademischen Leistungen die Vermittlung von Werten ebenso wichtig. So seien mit dem Erhalt der christlichen Orientierung Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Respekt und Vertrauen als Grundlage der Bildung und Erziehung verbunden.

Ungeachtet dessen muss sich die ISR aber auch nicht hinter ihren akademischen Leistungen verstecken. Mit einer durchschnittlichen Abiturnote von 1,6 schickt die Schule jedes Jahr Abgänger an Top-Universitäten in aller Welt. Davon ist die Liebfrauenschule mit einer durchschnittlichen Abiturnote von 2,1 nicht so weit entfernt, sieht Soliman hier ein starkes Fundament.

In der Verbindung von christlichen Werten und wirtschaftlicher Orientierung sah Soliman eine „unschlagbare Partnerschaft“ und ist ebenso überzeugt, dass Modernität und Flexibilität der ISR sowie Tradition und Werte der Liebfrauenschule sich „hervorragend ergänzen“ werden. Mit der Trägerschaft wird die ISR auch die Liegenschaften der Schule übernehmen, was nach Auffassung des ISR-Gesellschafters den langfristigen Gedanken der Übernahme unterstützt. So soll im Zuge des schrittweisen Übergangs auch die Sanierung des Hauses Michael in Angriff genommen werden.

Mit den Themen digitale Infrastruktur und der Ausstattung mit moderner Kommunikationstechnik will der neue Träger dazu beitragen, die Liebfrauenschule zukunftsfähig zu machen. Auch wird Wert auf die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung in den sogenannten MINT-Fächern gelegt, was Soliman als effektive Mädchen-Förderung in der heutigen Zeit sieht.

Wirtschaftliche Herausforderung

Der wirtschaftlichen Herausforderung sieht Soliman gelassen und zuversichtlich entgegen, zumal er schon viele finanzielle Herausforderungen in der Vergangenheit gemeistert habe. Als privat geführte Ersatzschule erhält die Liebfrauenschule zwar staatliche Förderung und Zuschüsse, die aber nicht alle Kosten abdecken. So wird seit dem Schuljahr 2020/21 an der Liebfrauenschule für alle Schülerinnen ein Schulgeld von monatlich 90 Euro erhoben, das aber an besonderen Situationen angepasst werden kann.

Für Schulleiterin Ursula Machnik, die seit Februar an der Liebfrauenschule ist, eine übliche Verfahrensweise an privaten Schulen, die sie aus anderen Schulen kennt. Die Erhebung des Schulgeldes erfolge im gesetzlichen Rahmen. Die Liebfrauenschule habe aufgrund der Erhebung des Schulgeldes keine Schülerin verloren, versicherte Machnik. Dass sie die Schulleitung in einer Zeit der Unsicherheit bezüglich der Schulzukunft übernommen habe, erklärt Machnik mit der bei den Eltern und Schülerinnen vorhandenen Zuversicht, den Geist und die Motivation der Gründerinnen der Schule weiterzuführen. Diese Haltung und das Vertrauen in einen guten Weg spreche für das System und sei für sie ermutigend gewesen.

Der Bildungsdezernent des Bistums, Ordinariatsdirektor Gereon Geissler, verwies im Rahmen des Pressegesprächs auf die intensiven und auf breiter Basis geführten Gespräche mit allen Beteiligten, wodurch sich eine Dynamik entwickelt habe und ein neues Bewusstsein für das, was Schule ausmacht, entstanden sei. Es sei nicht um den Verkauf einer Schule gegangen, sondern um eine Partnerschaft mit breiteren Schultern und zusätzlichen Fähigkeiten.

Dem neuen Partner attestierte er „Wertschätzung, Respekt, Treue zum gegebenen Wort sowie Mut zur Veränderung und zur Bewegung“. Den Gerüchten, aus der Liebfrauenschule ein Eliteinternat zu machen, erteilte Soliman eine klare Absage. Dafür gebe es in Deutschland keinen Markt mehr. Vielmehr gehe es heute darum, sich als Schule zu professionalisieren und klar zu positionieren: „Schulen müssen sich als Dienstleister verstehen und Werte verkörpern“.

Unterstützt wird der Schulträgerwechsel ebenso von der Schulleitung, dem Schulelternbeirat, dem Förderverein und der von Norbert Löw geleiteten Projektgruppe Zukunftssicherung LFS. In einer gemeinsamen Erklärung wird die Einigung zwischen dem Bistum Mainz und der ISR als ein „wichtiger Meilenstein“ bezeichnet. Jetzt zähle es, den Übergang konstruktiv von allen Seiten zukunftsorientiert zu gestalten. Auf einen positiven Neuanfang im Schuljahr 2022/23 will Peter Soliman gemeinsam mit Eltern, Schülerinnen, der Kirche und dem Kollegium hinarbeiten.

Die International School on the Rhine ist ein privater Schulträger aus Neuss, der eine internationale Ergänzungsschule, zwei Kindergärten und mit dem Franziskus-Gymnasium Nonnenwerth eine ehemalige Schule des Ordens der Franziskanerinnen verantwortet. Die Übernahme der Trägerschaft der LFS ist das erste Engagement der ISR in Hessen.