Abiturientinnen aus dem Leistungskurs Kunst zeigten ihre Arbeiten

Diktatoren als monströse Seeungeheuer

Ein Leistungskurs im Fach Kunst unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von anderen Leistungskursen. Unter anderem gibt es eine Menge anschauliche Ergebnisse – wie jeder erfahren konnte, der die kleine Präsentation im Forum der Liebfrauenschule besucht hat.

Zwei Tage lang zeigten die zehn Schülerinnen aus dem Leistungskurs Kunst des aktuellen Abiturjahrgangs am Anfang der Woche Arbeiten, die in der Q-Phase in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind.

Zugleich konnten sich die Besucher von der fundierten theoretischen Basis des Unterrichts überzeugen: Ein im Kurs gestalteter, mehrere Meter langer Zeitstrahl markierte Meilensteine der Kunstgeschichte bis hin zu aktuellen Entwicklungen. Reflektiert wurden die historischen Positionen durch eigene praktische Umsetzungen.

So diente die Auseinandersetzung mit den Collagen der Dadaistin Hannah Höch zur Klärung des eigenen Verhältnisses zu Feminismus und Sexismus. Akribisch ausgeschnippelte Fotos und Texte fügten die Schülerinnen zu höchst politischen, auf das globale Geschehen ausgerichteten Stellungnahmen.

Da findet sich Donald Trump mit Hitler und anderen Diktatoren als monströse Seeungeheuer in den Ozeanen einer Weltkarte. Ein Frauenkopf im Profil ist angefüllt mit unterschiedlichen Assoziationen zum Thema Feminismus und begleitet von einem Statement über den „zeitlich vorübergegangenen Feminismus“, der aber noch unterschwellig in den Köpfen ist. Eine andere Arbeit spielt auf den Gendergap an, der Frauen noch heute eine schlechtere Bezahlung beschert als Männern.

Kohleskizzen zeugten von der Beschäftigung mit der figürlichen Darstellung im Unterricht. Dass das Zeichnen aber auch außerhalb der Schule für viele wichtig ist und immer war, offenbarte sich dem Betrachter sowohl beim Durchblättern der beeindruckenden privaten Skizzenbücher der Schülerinnen als auch bei einem Blick zurück: An einer gesonderten Stellwand war eine Auswahl von Zeichnungen zu sehen, die schon in der Kindheit angefertigt worden waren.

Neben dem Zeichnen waren auch Drucktechniken, Malerei und Fotografie und vieles mehr Themen im Unterricht. Design zum Beispiel wurden in einem anspruchsvollen Projekt bearbeitet, bei dem es galt, einen kleinen Leporello zu einem selbstgewählten Thema wie Lampendesign oder Mode zu gestalten – mit informativen Texten, repräsentativen Fotos und einem attraktiven Layout.

Hausmeisterhaus entworfen

Besondere Hingucker in der Ausstellung waren die geradezu professionell gestalteten Architekturmodelle. Die Aufgabe hatte gelautet, für das begrenzte Schulgelände ein Hausmeisterhaus zu entwerfen – unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Denkmalschutzes und der Bedürfnisse des fiktiven Bewohners, der als fahrradbegeisterter Hundebesitzer charakterisiert war.

Zum geforderten Ergebnis zählten nicht nur Skizzen und ein maßstabgerechtes Modell, sondern auch eine theoretische Auseinandersetzung mit der Aufgabe und die Begründung der gewählten Lösung. Erwartet wurden sowohl Originalität als auch Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit.

Im Namen des Leistungskurses begrüßte Claudia Fend die Gäste bei der Eröffnung am Montag. Sie dankte dabei Kursleiterin Alena Enenkel für den vielfältigen Unterricht, insbesondere auch für das theoretische Fundament, und für die ganz besondere Atmosphäre im Kurs. Die Lehrerin dankte ihrerseits den Schülerinnen für ihr Engagement und ermunterte die Gäste zur intensiven Betrachtung der Exponate: „Kunst ist anders als Musik. Sie ist leise, man muss sie sich erst erschließen.“

BA, 15.05.2019