In Nepal Teil einer großen Familie

Sozialpädagoge Raphael Ott sprach vor LFS-Schülerinnen über den Verein „Friends of Children“, der sich in Nepal engagiert.

Wer für wohltätige Zwecke spendet, will in aller Regel gerne wissen, was sein Geld bewirkt. Wofür ihre Spenden verwendet werden, erfuhren Schülerinnen der Liebfrauenschule am Freitagvormittag. Die Klasse 8B hatte einen Teil der Erlöse des Flohmarkts, der im September im Rahmen der Jubiläumsaktion „160 Jahre – 160 gute Taten“ veranstaltet wurde, an den wohltätigen Verein „Friends of Children – Nepal“ gespendet. Zum Dank besuchte dessen Vorsitzender Raphael Ott nun die Schule und informierte vor über 50 Schülerinnen der achten Klassen über die Arbeit seines Vereins.

Dieser engagiert sich in einer ländlichen Region im Zentrum des Landes, wo Ott und seine Kollegen vor allem die zahlreichen Schulen in insgesamt sechs Dörfern unterstützen. Die Bewohner dieser abgelegenen Region südwestlich der Stadt Pokhara leben fast ausschließlich von der Landwirtschaft und sind auf Selbstversorgung angewiesen.

Das Hauptanliegen von „Friends of Children – Nepal“ ist, wie der Sozialpädagoge erklärt, möglichst vielen Kindern in der Region den Schulbesuch zu ermöglichen und ihnen dadurch Zukunftschancen zu bieten. Darüber hinaus fördert der Verein auch den dortigen Unterricht. Mittels Bildungspatenschaften sammeln Ott und Kollegen Spendengelder, mit denen Schulmaterialien für die Kinder bereitgestellt werden.

Weiterhin unterhält der Verein neun Hausaufgabenzentren und beschäftigt darin Lehrkräfte, die mehrere Hundert Kinder täglich bei den Hausaufgaben unterstützen. Auch freizeitpädagogische Aktivitäten wie gemeinsame Spiele und Ausflüge werden dort angeboten. Außerdem kümmert sich der Verein um eine adäquate Grundausstattung der Schulen, zum Beispiel mit Tafeln, Stühlen, Sportgeräten bis hin zu Computern.

Zweimal pro Jahr vor Ort

All dies erzählte Ott den interessierten Zuhörerinnen im Forum des Maria-Ward-Hauses. Diese durften jederzeit Fragen stellen und entlockten dem Referenten so viele weitere Informationen. Abgesehen vom Schulalltag wollten die Schülerinnen zum Beispiel auch wissen, wie sich das Leben in den nepalesischen Familien gestaltet. Fragen nach dem Ausmaß der Armut unter der Bevölkerung, nach der allgemeinen Wohnsituation, der Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen oder auch der Gesundheitsversorgung kamen auf und wurden von Ott, der nach eigener Aussage zweimal pro Jahr nach Nepal reist, sehr kenntnisreich beantwortet.

Aufschlussreich waren auch die vielen Bilder und Videos, mit denen er seinen Vortrag begleitete. Außer Schulkindern und Klassenräumen zeigten diese auch Ansichten aus den Dörfern und der umliegenden Landschaft. Anhand einiger Fotos aus der Hauptstadt Kathmandu vermittelte Ott auch einiges Grundwissen über das Land, seine Geschichte, Religionen, Sitten und Bräuche.

So ergab sich das Bild einer Kultur, die sich von der unseren teils stark unterscheidet. Besonders schwärmte Ott von der gelebten Gemeinschaft der Nepalesen und dem dort allgegenwärtigen Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein. Das äußere sich zum Beispiel darin, erklärte er, dass die Worte „Bruder“ und „Schwester“ für die Anrede von Fremden ebenso wie der eigenen Geschwister verwendet würden. Oder auch darin, dass man auf einer Busfahrt bisweilen fremde Babys auf den Schoß gesetzt bekomme. Diese und weitere Eigenarten, von denen Ott berichtete, sorgten bei seinem Publikum für gute Unterhaltung.

Politik von Korruption geprägt

Allerdings verschwieg er auch nicht die Probleme, die in Nepal vorherrschen. „Die Nepalesen beschäftigen sich viel mit ihrer Armut“, stellte Ott fest, „dem Land könnte es viel besser gehen“. Doch die Politik sei heute stark von Korruption geprägt, die junge Demokratie noch in der Entstehung begriffen – und bisher mangele es ihr an Stabilität. Erst im Jahr 2008 wurde in Nepal die Republik ausgerufen, nachdem ein zehnjähriger Bürgerkrieg im Jahr 2006 mit dem Sturz der Monarchie geendet hatte.

Dass die Infrastruktur gerade im ländlichen Raum mangelhaft ist, führte Ott seinem Publikum eindrucksvoll vor Augen: Es fehlt dort nicht zuletzt an einer Stromversorgung, befestigten Wegen und flächendeckender Gesundheitsversorgung.

Doch der Gesamteindruck, den der Referent bei seinem Publikum hinterließ, war der eines Volkes mit großer Gastfreundschaft und einer faszinierenden Kultur.

BA, 28.01.2019