Sabine Nellessen-Kohl prägte die LFS zwölf Jahre lang

Sabine Nellessen-Kohl war zwölf Jahre lang Leiterin der Liebfrauenschule.

Schulleiterin Sabine Nellessen-Kohl geht mit Ende des Halbjahres in den Ruhestand

„Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug…“ Mit diesem Motto, einem Vers aus einem Gedicht von Hilde Domin, begann und endete die zwölfjährige Amtszeit der Schulleiterin der Liebfrauenschule, Oberstudiendirektorin Sabine Nellessen-Kohl. Gemeint ist damit ein gewisses Ur- und Gottvertrauen, das diese verantwortungsvolle Aufgabe voraussetzt. Denn sehr oft ist man mit unvorhergesehenen Situationen im Schulalltag konfrontiert, die ein hohes Maß an Flexibilität und die Fähigkeit zur Neuorientierung voraussetzen – nicht erst seit Corona den Schulalltag bestimmt.

Laufbahn war nicht geplant

Dabei war diese Laufbahn nicht geplant. Geboren und aufgewachsen in Bad Ems führte sie nach Studium und Examina in den Fächern Englisch und Biologie in Mainz und Exeter zunächst der berufliche Weg des Mannes an die Bergstraße. Der Anstellung an der Liebfrauenschule 1983 folgte nach dem Erziehungsurlaub die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit am Alten Kurfürstlichen Gymnasium Bensheim.

Zwei ihrer drei Töchter hatten die LFS besucht und so schloss sich der Kreis, als sich die Pädagogin 2009 erfolgreich um die stellvertretende Schulleitung an der Liebfrauenschule und ein Jahr später um die freiwerdende Stelle der Schulleitung bewarb. Zwischenzeitlich war nach dem Abitur der Töchter der Wunsch gewachsen, noch etwas Neues zu beginnen. Ihre Tätigkeit in der Fortbildungsplanung im Bereich Methodenschulung am Staatlichen Schulamt in Heppenheim hatte die Freude am Organisieren in größeren Strukturen genährt.

Neben der Organisation und fortwährenden Begleitung von unzähligen baulichen Veränderungen der Schulgebäude – in ihrer Amtszeit entstand zum Beispiel das Lernzentrum Schwester Hedwig – war ihr Wirken vor allem gekennzeichnet von der Arbeit am pädagogischen Profil der Schule. Auf ihrer Agenda standen die Rückführung zu G9 und die Einführung des Realschulzweiges. Letzterer wurde wegen der großen Durchlässigkeit der zwei Schularten an einem Ort sehr attraktiv und stark nachgefragt.

Neben der Akzentuierung der ganzheitlichen Erziehung, etwa durch die Einführung der Singklasse und des Kunst-Leistungskurses, profilierte sie das religiöse Leben der Schule. Auch der Ganztagsschulbereich erhielt mit der Einführung eines Technik- und Sportangebotes und Flex-Angeboten ein neues Gepräge. Die unter ihrer Leitung eingestellten jungen Kollegen brachten frischen Wind und digitales Know-how und stärkten den vorhandenen Teamgeist, heißt es von Seiten der Schulgemeinde.

„Der Zusammenhalt und der Konsens der Erziehungsgemeinschaft wurde durch den Führungsstil von Frau Nellessen-Kohl sehr gefördert. Bei ihr gab es keine Barrieren – die Bürotür stand immer offen und mit allen verkehrte sie auf Augenhöhe. Es gab keine Distanz – Kommunikation war absolut ihre Stärke. Selbst in einer stressigen und konfliktträchtigen Situation blieb sie ruhig und entschärfte Probleme durch ihren Humor“, schreibt die Schule in der Pressemitteilung weiter.

Nellessen-Kohl wird als „absoluter Team-Player“ beschrieben – sie und der vor einem halben Jahr in den Ruhestand entlassene Peter L. Born ergänzten sich hier in idealer Weise. Mit dem Schulleitungsteam profitierte die ganze Schulgemeinde von der durch Offenheit und Toleranz geprägten Schulatmosphäre; die Schülerinnen machten durch die in der Klassenstunde stattfindenden LFS-Talks mit der Schulleiterin die Erfahrung, dass ihren Anliegen und Wünschen direkt ein offenes Ohr geschenkt wurde.“

Kommunikation, Partizipation und Teamgeist waren leitende Prinzipien ihres Führungsstils. Auch den Gesamtkonferenzen gab Sabine Nellessen-Kohl ihr eigenes Gepräge: Gewichtige Entscheidungen wurden sorgfältig vorbereitet, vielfältige Gesprächsformen banden das ganze Kollegium mit ein. Die Einhaltung des Zeitplanes brachte Effektivität und Zielorientierung – vieles wurde positiv vorangebracht. Die Liebfrauenschule wird als digitale Schule und MINT-Schule im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik weiterentwickelt.

Inspirierender TV-Gottesdienst

Die katholische Mädchenschule modernisierte sich in der Stärkung der Rolle der Frau und einer Spiritualität, die von Offenheit bestimmt ist. Augenfällig wird dies in der Neugestaltung der Kapelle, die keine festen Reihen mehr vorsieht, sondern flexible Sitzmöglichkeiten, die eine Mitte haben; sie ist offen und hell.

Besonderes Gehör fanden soziale Aktionen wie die „160 guten Taten“, mit denen die Schülerinnen das 160. Schuljubiläum im Schuljahr 2018/19 feierten, indem sie als Einzelne oder Klasse gute Taten „sammelten“. Die Schulfahrt nach Mainz und der inspirierende ZDF-Gottesdienst der Liebfrauenschule waren Höhepunkte des Schullebens und Zeugnis des besonderen Geists der Liebfrauenschule. Im Rückblick sieht die Schulleiterin als ihre schönsten Momente mitzuerleben, dass Schülerinnen mit Handicap, die unter schwierigen häuslichen Bedingungen lebten, hier eine glückliche Schulzeit verbringen konnten.

Ihre letzte Abiturrede stellte die Schulleiterin ebenfalls unter ein Motto von Hilde Domin: „Man könnte die Welt hochwerfen, dass der Wind hindurchfährt“! Dies ist und bleibt ein Aufruf zur Erneuerung in bewegten Zeiten und zu widerständigem Mut, wie er auch Sabine Nellessen-Kohl zu Eigen ist.

Mit dem Halbjahresende ging gestern auch die berufliche Laufbahn von Sabine Nellessen-Kohl zu Ende, die heute ihren Ruhestand antritt. Neue Leiterin der LFS wird – wie berichtet – Ursula Machnik.

BA, 30.01.2021